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Antike Leuchter

Femina, 1980

In Luzern entdeckt:
Eine Lädelistrasse in der Etage

Wer hat sich das nicht schon gewünscht: einkaufen zu können, ohne auf den Verkehr achten zu müssen. Auf kleinem Raum verschiedene Artikel zu finden, ohne deswegen ins Warenhausgedränge zu geraten. In Luzern kann man's. Seit einem halben Jahr gibt es die "Etage".

Am Anfang wie bei Kafka

Initiant der Lädelistrasse ist Flohmarktbesitzer und Galerist Dieter Keller, der für einen "Raritätenkeller" ein neues Lokal suchte. Er fand am Hirschengraben eine Wohnung mit 15 (!) Zimmern. Früher hatte die Polizei hier residiert. Die grossen, alten Räume wirkten auf den neuen Mieter geradezu kafkaesk.

Per Inserat suchte er Untermieter. Sie kamen, anfänglich zögernd: zwei Boutique-Besitzer, eine Töpferin, zwei Goldschmiede, ein Sammler alter Stiche, der sein Hobby zum Broterwerb gemacht hat. Weiter eine Schöpferin von Strickmodellen, ein Posterverkäufer, zuletzt ein Spielzeugmacher.

Es war ein kleines Risiko. Würden sich die Luzerner daran gewöhnen, in der "Etage" einzukaufen? Sie taten es - und bewiesen damit Pioniergeist: Die Ladenstrasse im ersten Stock ist bisher die einzige ihrer Art in der Schweiz. Doch nicht nur die Kunden sind von dem Experiment begeistert. Dieter Keller besitzt bereits eine lange Liste mit Anfragen von Leuten, die sich mit ihrem Geschäft ebenfalls gern in der Etage etablieren möchten. Die Mietzinse sind relativ günstig: Die Mieter auf der Strassenseite zahlen durchschnittlich Fr. 190.- pro Monat für ihre Räume, die Mieter auf der Hofseite Fr. 140.-. Allerdings mussten sie die ziemlich verwahrlosten Räume beim Einzug selbst instand stellen. Dieter Keller hofft, dass der Einjahres-Mietvertrag vom Hausbesitzer (dem Kanton Luzern) verlängert wird.

Wer verkauft was?

Dieter Keller hat sein Geschäft mittlerweile auf drei Räume ausgedehnt. Seine Spezialität sind Jugendstil-Lampen in allen Variationen und Grössen. Man sieht es auf den ersten Blick: "Flohmarkt" ist hier Tiefstapelei. Seine Kunden sind vor allem Sammler.

Um Sammler und Sammlungen kümmert sich auch Jürgen Franke. Der Ostberliner, der schon lange in Luzern ansässig ist, stammt aus der Baubranche. Als die Zukunftsaussichten in seinem Beruf immer weniger rosig wurden, machte er mit seiner Sammlung alter Stiche ein Geschäft auf. Seine Besonderheit: Während andere Händler sich auf eine Region oder ein Sachgebiet beschränken, führt er Stiche und alte Druckgrafiken aus allen Teilen der Welt. Ausserdem fabriziert er die Rahmen selbst, wer bei ihm kauft, kann den fertig gerahmten Stich gleich unter dem Arm mittragen.

Die Goldschmiede Jean-Pierre Boss und Werner Twerenbold stellen handwerklich schönen Schmuck her, und man darf ihnen dabei zuschauen. Alexander Scartazzini und seine Frau haben mit selbstgemachtem Spielzeug eine kindliche Traumwelt (auch) für Erwachsene geschaffen. In der Boutique "Util" kann man sich mit alten Kleidern aus den zwanziger- und dreissiger Jahren, aber auch mit modernen Jeans und Lederwaren eindecken.

Bei Gaby Sibbe entstehen modische Strickwaren nach eigenen Entwürfen, wobei der Ausdruck "Strickwaren" den eleganten Modellen - vorwiegend aus Seidengarn - nicht ganz gerecht wird. Susy, die das Poster-Center führt, verkauft neben kleinen und grossen Posters - man kann ganze Waldstücke von Wand zu Wand haben - alte, guterhaltene Schallplatten aus den sechziger Jahren.

Eigene Erzeugnisse verkauft auch die Töpferin Brigitte Steinemann-Reis. Ihre Spezialität: formschöne Keramikbecher für "Kafi Luz", die mit dazugehörigem Rezept (für Nicht-Luzerner) geliefert werden. Die Töpferwerkstatt selbst befindet sich an schlechter Geschäftslage, deshalb ist Brigitte Steinemann froh um das Lokal mitten im Stadtzentrum. Und weil Kollegen bei ihrer berufsbedingten Abwesenheit manchmal als "Ladenhüter" einspringen, verkauft sie auch deren Keramikprodukte.

 

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Die "Etagen-Lädelileute" im Raritäten-Keller. Auch der Berner Sennenhund Cadeau gehört dazu.

Links: Brigitte Steinemann inmitten ihrer Töpferwaren. Sie ist bemüht, für alltägliche Gebrauchsgegenstände immer neue gute Formen zu kreieren.
Rechts: Einmal aus nächster Nähe zuschauen wie Schmuck entsteht... Der Goldschmied Jean-Pierre Boss an seinem Arbeitsplatz.

Links: "Etagen"-lnitiant Dieter Keller ist auch Galerist Ausstellungsräume sind seine Zimmer in der "Etage" und der grosse Korridor.
Rechts: Die einzelnen Verkaufslokale sind sehr individuell eingerichtet. Hier das Stiche-Kabinett von Jürgen Franke.

Jeder einzelne hat seinen Laden nach eigenem Geschmack ausgemalt und dekoriert. Gaby Sibbe gab ihrer Strickboutique ein elegantes Aussehen, obwohl der Verkaufsraum zugleich Arbeitsplatz ist.