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Antike Leuchter

Der Bund, 20.02.1992 – Extra Antiquitäten

Die Beleuchtungskörper im Lauf der Jahrtausende...

Das künstliche Licht ist seit Jahrtausenden bekannt. Zu den ältesten Leuchten gehören die Öllampen, die bereits im dritten Jahrtausend vor Christus verwendet wurden. Sie bestanden aus Ton- oder Metallschalen in Kupfer oder Bronze mit einam in Öl schwlmmenden Docht. Technische Verbesserungen im 16., 1&. und zu Beginn des 19. Jahrhunderts führten dazu, dass die Öllampe mehr und mehr - neben der Kerze - als Beleuchtungskörper diente. Es wurden auch Leuchten gestaltet, bei denen der Brenner mit Hilfe eines Uhrwerkes oder durch einen Mechanismus aus Feder und Kolben mit Öl versorgt wurde. Zu den Exklusivitäten gehörte beispielsweise die Öluhr, eine grosse Tischlampe aus Metall mit einem gläsernen Ölbehälter, auf dem die Stunden markiert waren. Solche Öluhren wurden um 1730 hergestellt. Erst nach Mitte des 19. Jahrhunderts verdrängte die Petroleum- die Öllampe.

Die Kerze war bereits den Römern bekannt. Kerzenleuchter wurden jedoch erst seit dem 10. Jahrhundert (eventuell schon früher) in ganz Europa für den kirchlichen und ebenfalls häuslichen Gebrauch angefertigt. Die älteste Form ist der Dornleuchter - als Figurenleuchter ausgebildet oder mit einem auf Tierfüssen ruhenden Sockel. Die konische Spitze diente zum Aufspiessen der Kerze.

Nicht unerwähnt bleiberl darf der Scheibenleuchter mit Glockenfuss mit durch scheibenförmige Knäufe gegliedertem Schaft und mit Wachsfänger. Bis zum 17. Jahrhundert verdrängte der Kerzenleuchter mit Kerzentülle (ein zylindrischer Kerzenhalter) weitgehend den Dornleuchter.

Alten englischen Inventaren ist zu:entnehmen, dass Silberleuchter bereits im 14.Jahrhundert im Gebrauch waren. Ihre Gestaltungsart ist jedoch nicht bekannt. Eine Reihe von solchen Leuchtern ist erst aus der Mitte des 17. Jahrhunderts erhalten. Die Kerzenhalter aus Silber verdrängten zunehmend diejenigen aus Zinn und Messing Damals wurden erstmals auch noch ziemlich plump wirkende Kerzenleuchter aus Glas mit einem nuppen besetzten Hohlschaft und Sockelfuss angefertigt. Bei den Nuppen handelte es sich um Glastropfen, die Glasgefässen als Dekor aufgeschmolzen wurden. ie sind unterschiedlich gestaltet, häufig dorn-, beeren- oder warzenförmig, aber auch in Rüsselform oder als Löwenköpfe vorgeformt. Ein Detail: Nuppengiäser waren bereits in der Antike bekannt. In Europa, vor allem in Deutschland, erfreuten sie sich besonders in der Renaissancew und im Barock grosser Beliebtheit.

Die Kerzenleuchter in Rokokoforrn, auch aus Fayence und Porzellan, mit einem glockenförmigen Fuss kamen um 1750 auf. Gegen Ende dieses Jahrhunderts entstand der Kerzenleuchter mit flachem Fuss und Balusterschaft (früheste Schaftform an englischen Gläsern) mit Kerzentülle. Das 19. Jahrhundert kannte wiederum den Figurenleuchter.

Die Laterne, eine Form des Kerzenleuchters, wurde schon in vormittelalterlicher Zeit verwendet. Die früheste überlieferte Form ist ein Kegel oder Zylinder aus Bronze mit offenen Seiten. Daraus entstanden die mehreckigen beziehungsweise quadratischen und oktogonalen Formen - zum Teil oder ganz geschlossen - mit durchsichtigen Scheiben, in der Frühzeit unter anderem aus dünnem Horn, spater aus Glas. Die Formen der Laternen wurden im 18. und 19. Jahrhunden immer mehr verfeinert. Man unterscheidet Hand- und Wagenlaternen, die besonders reich verzierten Stangen- oder Gondellaternen, ferner die an oder in den Häusern fest angebrachten Laternen. Nicht zu vergessen die Strassenlaternen...

Zu den weiteren Kerzenleuchterarten gehört der Kandelaber. Es handelte sich ursprünglich um einen Ständer für Kerzen oder Räucherwerk und wurde anschliessend zur Bezeichnung für einen Standleuchter mit zwei oder mehr radial vom Schaft ausgehenden Leuchterarmen. Die Formen wurden im Lauf der Zeit immer phantasiereicher und kunstvoller, der Schaft zum Beispiel als Vase oder Figur aus Marmor und Porzellan und mit Montierungen aus vergoldetem Metall. Seit dem 18. Jahrhundert werden Kandelaber mit Armen aus Glas gearbeitet. Diese Leuchterform wurde teilweise überreich mit Kristallgehängen geschmückt.

Beim Blaker handelt es sich um einen Wandleuchter mit einem oder zwei Kerzenhaltern an einem Schild als Schutz der Wand vor dem Kerzenruss und auch als Reflektor. Er wurde aus Holz, Metall wie Messing, Silber und Zinn sowie Keramik angefertigt. Blaker entstanden gelegentlich auch in Form eines gerahmten Spiegels.

Nachlleuchter wurden schon im 16. Jahrhundert hergestellt. Die ältesten
noch erhaltenen Objekte stammen aus dem späten 17.Jahrhundert. Es sind Kerzenleuchter aus Silber oder Messing mit Traggriff, Schleife oder Volute (spiralförmig eingerolltes, architektonisches Glied, als Ornament seit der Renaissance im Kunsthandwerk verwendet) und kurzer, profilierter Kerzentülle, dle auf einem breiten Wachsfänger, der als Standfläche dient, angebracht ist. Der Wachsfänger, der oft dekorative Gravuren aufweist, besitzt die Form einer achteckigen, quadratischen oder runden Schale, vielfach mit einem Fuss oder mit einem konischen Löscher versehen, der am Griff befestigt ist. Es wurden auch Nachtleuchter mit einem langen, geraden Griff gestaltet, die einer Bratpfanne ähnlich sahen.

Seit dem Mittelalter bekannt und von den damaligen Kaiser-, Königs- und
Fürstenhäusern nicht wegzudenken: die Kronleuchter. Diese Hängeleuchter mit strahlenförmig von einem architektonischen oder figürlichen Mittelstück ausgehenden Armen wurden vorerst aus Holz, anschliessend aus Messing, Bronze, Silber und gelegentlich auch aus Schmiedeisen, im 17. Jahrhundert in Venedig und Böhmen ebenfalls aus Glas hergestellt. Seit Mitte des 17. Jahrhunderts verbreitete sich von den südlichen Niederlanden aus über fast ganz Europa die sogenannte Flämische Krone (die bekannten "HolIänder") aus Messing oder Bronze mit balusterförmigem Stamm (Säule mit elliptischer oder birnenförmiger Ausbuchtung) mit unten abschliessender Kugel und bis zu 36 S-förmigen Armen, oft in zwei Etagen angeordnet. Die Lüster, die grossen Kronleuchter, entstanden in Venedig - bereits im 16. Jahrhundert erwähnt, vor allem aber im 18. Jahrhundert beliebt. Ihre Kennzeichen: geschliffene Glasgehänge wie Prismen oder Pendeloques aus Bergkristall oder Kristallglas sowie mehrere Lichtquellen.

Antike Beleuchtungskörper sind heute ebenso rar auf dem Antlquitätenmarkt wie beispielsweise Möbel aus vergangenen Epochen. Wohl blüht in diesem Bereich auch der Handel mit Kopien, es ist jedoch schwieriger, sle in qualitativ hochstehenden Ausführungen herzustellen als beispielsweise Möbel.

Seit einigen Jahren stellt Dieter Keller aus Luzern an der Berner Antiquitäten-Messe antike Beleuchtungskörper aus. Er besitzt am Schweizerhofquai 6 eines der wenigen Spezialgeschafte dieser Art in der Schweiz. Im Angebot sind Leuchten aus verschiedenen Epochen. Nicht nur antikes Mobiliar, sondern auch Leuchten aus früheren Zeiten werden
heute zu Inneneinrichtungsobjekten im zeitgenössischen Design kombiniert. Der Trend geht - nach den Erfahrungen von Dieter Keller - eindeutig weg vom klassisciihen antiken Interieur. Dekorative Elemente werden wieder vermehrt, jedoch gezielt eingesetzt.

Welche antiken Beleuchtungskörper sind gegenwärtig besonders gefragt?
Aktuell sind Leuchter im Stil Napoleon III. (barockisierend) und venezianische Glasleuchter. Gerade sie lassen sich, zusammen mit spielerisch drapierten Seiden- oder Samtvorhängen aus strukturierten Geweben, zu topmodernem Mobiliar kombinieren. Etwas von der Aktualität verloren haben die Art-deco-Leuchten und die klassischen "Holländer". Wand- und Kezenleuchter gehören wieder zu den beliebten Wohllaccessoires. Dieter Keller erklärte zudem, dass zu antiken Beleuchtungskörpern moderne Halogenleuchten als Arbeitslicht ohne Schwierigkeiten assortiert werden können.

 

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Antike Beleuchtung

9armiger Kristalleuchter, Barock-Bronzegestell, mit reichem, geschliffenem Kristallbehang, Frankreich, Anfang 19. Jahrhundert

Antike Beleuchtung

12armiger Kristalleuchter mit Kerzen, Napoleon III, Frankreich um 1870.

Antike Beleuchtung

4armige Jugendstil-Deckenleuchte mit geäzten und geschliffenen Überfanggläsern, Wien um 1900.

Antike Beleuchtung

Deckenleuchte Jugendstil mit floralem Bronzegestell, Pate-de-verre-Gläsern, signiert Daum Nancy, um 1900.

Antike Beleuchtung

Art-déco-Leuchte, Bronzegestell vernickelt.

Antike Beleuchtung

Ein Paar Appliquen Art déco, signiert M. Le Verrier, grün patiniert mit orangen Pate-de-verre, Frankreich um 1925.

Bilder Dieter Keller