Neue Luzerner Zeitung, 21.10.2000
Ein Leben mit Lampen und Leuchtern
Dieter Keller: Eine Antiquitäten-Nische wurde zur Spezialität
Weil ihm die Werbe-Welt nicht behagte wurde Dieter Keller Antiquitätenhändler. Und seither sammelt er fasziniert europaweit Lichter.
Von Walter Schnieper
Man könnte ihn einen Erleuchteten nennen. Er würde schallend lachen und versichern: "Bin ich nicht; aber ich habe seit über 20 Jahren total den Plausch mit meinen Lampen und Leuchten." Und so hat es angefangen: Dieter Keller war ausgebildeter Werbeassistent, arbeitete in der Agentur Culinas mit Marianne Kaltenbach und ihrem Sohn Peter Berger und erkannte: "Die Werbung ist nicht mein Leben." Da müsse man gewissermassen 24 Stunden pro Tag verbissen dranbleiben, meint Keller, denn. "Die Werber sind zwar aufgestellte Leute, aber sie kennen fast nichts als ihre Branche."
Start mit Flohmarkt
Keller kannte den einzuschlagenden (Aus-)Weg noch nicht, aber er hatte eine Ader für Antiquitäten, kleine und grosse. Geerbt von seiner Grossmutter, die regelmässig Möbelchen und Utensilien aller Art anschleppte. Dieter Keller stöberte und kaufte auch regelmässig, in einem Antiquitätengeschäft an der Hirschmattstrasse in Luzern. Dort gab es im Keller einen Flohmarkt, den er bald übernahm.
Eine Lampe weist den Weg
Ein Nebenjob, aber nicht lange. Denn erstens war da bereits ein Stammkundenkreis, und zweitens entdeckte Keller bald sein Talent fürs Handeln mit Antiquitäten und Trödel. Wie als Erklärung nimmt er ein Art-déco-Schnapsglas in die Hand: "Ich kaufe so ein Glas für 20 Franken und verkaufe es später für 30." Die übliche Marge? Dieter Keller meint lachend: "Das wäre schön." In seinem Geschäft hängen bisweilen Leuchter, die er für mehrere zehntausend Franken erstanden hat, ein, zwei oder drei Jahre. Ohne Zinsen abzuwerfen.
Jedenfalls hats den Werber bald gepackt. Mit einem geliehenen VW-Bus reiste er nach Barcelona, kaufte zusammen, was ihm gefiel. Bei einem Zwischenstopp in Lyon - die Händler am Trödelmarkt waren schon am Aufräumen - hatte es ihm eine am Boden liegende Lampe angetan. Er kaufte sie und wusste: Das ist es. "Damals entdeckte ich meine Nische. Lampen, Leuchter, Licht." Das sind für ihn nicht nur Beleuchtungskörper vom Kerzenständer über Wand-, Tisch- und Stehlampen und Lüstern, sondern auch Spiegel, beleuchtete Brunnen, bleiverglaste Scheiben."Ich biete nicht einen Stil an, 18. Jahrhundert, Jugendstil oder Art déco, sondern ein Gebiet, Licht und Leuchter, und das vom 18. Jahrhundert bis zu US-Neon-Kreationen aus den Fünfzigerjahren."
Der Murano-Leuchter
Über Dieter Keller hängt ein riesiger venezianischer Leuchter, geschaffen unter anderem mit Murano-Glas, um 1900, über 100 000 Franken wert, erstanden an einer Antiquitätenmesse in Frankreich. Für Keller, der gerne alte Leuchter in moderne Wohnbauten vermittelt, war klar: "Dieses Stück ist einzigartig. Ich dachte "wow" - und musste es einfach haben. Er sähe den Leuchter am liebsten in einem Glashaus mit Marmorboden." Der Leuchterhängt schon längere Zeit am Schweizerhofquai. Und wartet auf den Kunden, der auch denkt: "Wow!"
Dieter Keller ist nicht nur ein inzwischen im In- und Ausland bekannter Spezialist, bei dem finden kann, wer sucht; er ist mit seinem Mitarbeiter Gregor Berchtold auch spezialisiert auf die Restauration glitzender Beleuchtungskörper, mit logischem Grund: "Ohne eine solche Werkstatt fehlt die Grundlage." Denn die Lampen und Leuchter, die Keller in ganz Europa und bisweilen auch auf andern Kontinenten entdeckt und kauft, sind in aller Regel in einem schlechten Zustand und so gar nicht weiter zu vermitteln: "Wir zerlegen jeden Ankauf, bringen ihn wieder auf Hochglanz - und erleben dabei oft auch Überraschungen. Manchmal erweisen sich Fassungen als vergoldet - oder sie sind wirklich nur Messing, obwohl ich eine Vergoldung vermutet habe." Zudem werden alle Leuchter von Grund auf neu elektrifiziert, aus Sicherheitsgründen und auch, weil die alten Drähte meist brüchig und reparaturanfällig sind.
GIasperlen in der Waschmaschine
Und wie trimmt er die vielen Glasperlen, die einem Leuchter das Gepräge geben, auf Hochglanz? "Da ist die effizienteste Methode die Waschmaschine", erklärt Keller. "Das geht bestens." Danach werden die Perlen auf neue Drähte aufgezogen, und am Ende stimmt die Plattitüde vom "neuen Glanz" perfekt.
Zur Werkstatt gehört ein riesiges rsatzteillager: Drähte, Glasperlen und -kristalle aller Art, Messingfassungen, Rosetten und so weiter - und wenn nötig fräst, bohrt, biegt, lötet und giesst Gregor Berchtold aus Messing, Zinn, Silber oder BIei neu zusammen, was einem alten Leuchter fehlt oder nicht mehr reparierbar ist. Keller legt da nicht Hand an: "Ich weiss nur, wie es am Ende aussehen muss."Und wenn er quer durch Europa auf. Einkaufstour geht, kennt er sein Ziel nie genau, sondern fährt los nach dem Motto: "Ich finde dann schon dies und das." Er weiss nicht nur, dass er findet, sondern auch: "Ich kaufe stets ein, ich kann das nicht bremsen." Warum auch Schliesslich ist Dieter Keller seit zweieinhalb Jahrzehnten glücklich mit seinen Leuchte(r)n. Und wer kann schon seinen Sammlertrieb so schön verwirklichen wie ein Leuchterspezialist?
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